2018

August 2018
Ein Beobachtungsplatz an einem kleinen See soll tierische AugenBlicke bringen. - Doch der kleine See führt nicht mehr die Wassermengen, wie ich es in Erinnerung habe. Die langanhaltende Hitze und die Trockenheit, die seit Monaten unser Gebiet beherrschen, hinterlassen sichtbare Spuren des Klimawandels. Aus einem Klimawandel ist bereits eine Klimakatastrophe geworden.

Bekomme ich heute dennoch die AugenBlicke zu sehen?
Tierbeobachtung bedeutet in erster Linie einen guten Platz mit viel Übersicht zu finden. Aus der Sicht der Tiere sollte man unsichtbar zu sein. Was nun noch sehr wichtig ist, das ist Ruhe und Ausdauer. Hierbei ist nicht gesagt, dass sich das Zielobjekt vor der Kamera zeigt. So auch an diesem Abend. Mein Ziel gilt heute der Beobachtung von Bibern. Irgendwo müssen sie sein, Biberfraß hat sie verraten.
Einige Zeit genieße ich die Stille abseits der Zivilisation. Im Geäst hinter mir ist ein Knacken zu vernehmen. Schwarzmilane bleiben einen Augenblick in den Kronen der Laubbäume, bis sie ihre Kreise auf der Suche nach einem Nachtlager fortsetzen. Enten und Gänse kommen mit lautem Geschnatter zum kühlen Nass, verweilen für kurze Zeit und lassen mich wieder allein.
Gerade ist Bewegung zwischen den Seerosen zu sehen. Im ersten Moment ist meine Freude groß, als ich einen vermeintlichen Biber im kleinen See vor mir schwimmen sehe. Doch die Freude weicht der Erkenntnis: "Es schwimmen nicht nur Biber in unseren Gewässern."
Sehr schnell bemerke ich, dass meine Hoffnung auf eine Biberbegegnung nicht in Erfüllung geht. - Ein Nutria schwimmt an meinem Beobachtungsplatz vorbei.
Wie unterscheiden sich Biber und Nutria eigentlich?
An Land ist der Unterschied zwischen Biber und Nutria relativ eindeutig zu erkennen. Der Biber mit seiner "Kelle" und die Nutria mit einem "Rattenschwanz". Der Biber hat ein freundliches, niedliches Gesicht, dagegen ein Nutria ein derbes, kräftiges Gesicht mit langen Barthaaren. Die Ohren sind beim Nutria größer. Das Fell hat zum Teil eine bräunliche Färbung.
Im Wasser sind es dann die Verhaltensweisen, die eine genaue Auskunft über das Tier geben. Beim Schwimmen der Nutrias fehlt die Eleganz, der langgestreckte Körper ist bei ihm nicht so schön wahrzunehmen. Im Gegenteil. Das Hinterteil wird etwas in die Höhe gehoben.
Ein typisches Knallen mit der Kelle, wie beim Biber bei Gefahr in der Nähe, kann es bei den Nutrias nicht geben, schließlich haben sie keine.

Was fällt bei diesem Nutria auf?
Im seichten Wasser ist dieser Nutria mit dem Öffnen von Muscheln beschäftigt. Ohne Pause verzehrt dieser Nutria das Innenleben mit einer ausdauernden Hingabe. Eine Muschel nach der anderen lässt sie sich genüsslich schmecken. Bis auf den letzten Bissen "leckt" sie die Teichmuschel förmlich aus.
Spätestens jetzt ist es klar: "Es kann kein Biber sein, sondern ein Nutria. - Biber sind reine Vegetarier."

An Land legt die Nutria eine Pause ein und streicht sich minutenlang den vollgefressenen Bauch. Jetzt ist auch Zeit für eine ausgiebige Fellpflege, bevor sie ihren Weg zwischen den Seerosen in den traumhaft schönen Sonnenuntergang fortsetzt.

Mir fällt hierzu noch ein Erlebnis aus meiner frühesten Kindheit ein, aus DDR-Zeiten.
Der Besuch bei Onkel und Tante war immer etwas Besonderes. Sie wohnten weit draußen vor der Stadt. Ein einzelnes Gehöft mitten in der Natur, mit einem See hinter Bäumen und Sträuchern.
Im Hause wohnte noch eine weitere Familie. Sie hatten auf diesem großen Anwesen eine gemauerte Behausung für Nutrias angelegt. Diese Tiere konnten nur zwischen Futterplatz und einer kleinen Badepfütze hin und her laufen. Viel Platz hatten sie nicht zum Leben in ihrem dunklen Verlies. Auf sie wartete nur das Schlachtermesser. Das Fleisch soll angeblich gut geschmeckt haben.
Auch wenn diese Tiere wie übergroße Ratten aussehen, und Ratten zu den wenigen Tieren gehören, die ich nicht mag, empfand ich als kleines Kind Mitleid mit ihnen. - Ach ja, gegessen hab ich das Fleisch dieser Tiere nicht.